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mit :
Thomas Jonscher
UNZA UNZA TIME!
BALKAN BEATS - ´´Erfinder´´ Robert Soko & PARNE GADJE (NL)
 
22.09.2008
Montag
20.00 - 23.00 Uhr

ROBERT SOKO stammt aus der bosnischen Industriestadt Zenica, ein Stahlwerk mit Plattenbauten drumherum. Er ist halb Kroate, halb Serbe und kam Ende der Achtzigerjahre nach Deutschland, lange bevor 1992 in Bosnien der Krieg ausbrach.
Als Robert Soko Mitte der Neunziger zusammen mit dem Journalisten Rüdiger Rossig die Balkan Beats gründete, setzte sich das Publikum bereits aus bosnischen Dissidenten und Kriegsflüchtlingen zusammen. Unregelmäßig feierten sie Partys in der Kreuzberger Punkkneipe Arcanoa - an einem Ort, der zum Treffpunkt und zur Kontaktbörse derjenigen Kroaten, Serben, Bosnier wurde, die sich keiner Kriegspartei zurechnen wollten, sondern sich nach wie vor als Jugoslawen verstanden. Roberts Frau Tatjana stammt ebenfalls aus Zenica. Die Stadt wurde während des Krieges zur Basis der moslemischen Kriegspartei. Als Serbin wurde die damals 18-Jährige zur Flucht gezwungen. Bei den BalkanBeats in Berlin fühlte sie sich erstmals wieder zu Hause. "Unser Publikum hat bewiesen, dass wir nicht unnormal sind, weil wir uns nicht als Serben, Kroaten oder Moslems deklariert haben", sagt sie. "Und das heißt, dass dieses jugoslawische Wirgefühl wirklich existiert hat. Nicht alle wurden damals Nationalisten." Bis heute hat sich die Vielvölkermischung bei den BalkanBeats erhalten. Seit einigen Jahren verzeichnet Robert Soko auch beim deutschen Publikum ein wachsendes Interesse. Ein Trend, den der DJ im Spannungsfeld zwischen Schrecken und Neugier verortet. "Hätte es den Krieg nicht gegeben, wären wir nicht so interessant geworden", glaubt er. Dazu kommt sicherlich die Romantisierung Südosteuropas durch Filme wie die von Emir Kusturica. Mit ihren überzeichneten Klischees und extremen Figuren haben sie einen neuen Balkanexotismus begründet.

http://www.myspace.com/balkan_beats

PARNE GADJE klingen so, als würden Bratsch wieder auf der Straße spielen Mark Constandse kann auf ein abenteuerliches Leben zwischen Punk-, Gaukler- und Zirkusszene zurückblicken. Er war Schausteller, Artist, Industrial-Punk-, Zirkus- und Straßenmusikant - klarer Fall, dass die fulminante Musik der rumänischen Roma mit ihren psychopathisch schnellen Upbeats und ihren atemberaubenden Melodieloopings seinem Naturell entgegenkam und sein Herz eroberte, gleichermaßen wie der griechische Undergroundblues der 20er und 30er Jahre, der Rébetiko. Hinzu kamen die Chansons des russischen Barden Alexej Dimitrievitsch, die eindringlichen Songs der Bukarester "Mahala-Piaf" Maria Tanase und Einflüsse des griechischen Komponisten Manos Hadjidakis. Das Konzept von Parne Gadje nahm Gestalt an und bedurfte nur mehr des australischen Bassisten und Songwriters Dan Tuffy, des Gitarristen Michiel Hollanders sowie des Saxophonisten Gerwil Kusters. Das Quartett überzeugt durch Präzision, ohne das spontane Flair einer Straßencombo zu verraten. Der Spirit ihrer Vorbilder kommt jedenfalls überzeugend rüber. Parne Gadje klingen so, als würden Bratsch wieder auf der Straße spielen... Parne Gadje sind immer ihren eigenen Weg gegangen. Ihr Sound mag starke Balkan-Einflüsse haben, doch sind sie in diesem Genre nicht beheimatet; auf kreative Weise mischen sie die Musik der Roma, griechischen Rebetiko und zunehmend Elemente kontinentaler und orientalischer Stile, um ihre eigene Tradition zu erschaffen. MANGUPI wurde während eines Konzerts im Rahmen einer Deutschland-Tour Ende 2006 aufgenommen und ist somit nicht nur ein beeindruckendes Zeugnis der musikalischen Entwicklung der Band, sondern auch ein Beweis für ihre phänomenalen Live-Performances. Das Album zeigt außerdem, dass die Band die kontrollierte Umgebung eines Aufnahmestudios nicht braucht, um zu zeigen, was sie kann. »What you hear is what you get« – und es ist überwältigend.

MANGUPI: Abtrünniger; Geächteter; jemand, der nach seinen eigenen Regeln am Rande der Gesellschaft lebt; ein Nonkonformist, frei wie ein Vogel, unberührt von den Zwängen innerhalb einer Kultur.

Besetzung: Mark Constandse (Tastenakkordeon, Bandoneon, Gesang) Dan Tuffy (Kontrabass, Gesang) Michiel Hollanders (Gitarre) Gerwil Kusters (Saxophon)

http://www.myspace.com/parnegadje

Link zur Sendung : http://www.myspace.com/balkan_beats
 


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