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Martin Griffiths
Musiker - Rock
http://www.martin-griffiths.com/
* 08.10.1949

Martin Griffiths arbeitet als Schlossführer in Schwetzingen, Mannheim und Heidelberg. In den 70er Jahren ist er Frontmann der bekannten Progressive-Rock-Formation „Beggars Opera“ gewesen. Das Jahr 2019 ist ein ganz besonderes, denn es steht ein dreifacher Geburtstag ins Haus: 50 Jahre „Beggars Opera“, zehn Jahre Schlossführer und 70 Jahre Martin Griffiths!
Das Jahr 1968 veränderte die ganze Welt. Blickt man fünf Jahrzehnte zurück, fallen einem neben Studentenrevolte gegen verkrustete Strukturen und gegen den Vietnamkrieg auch Aufstände für demokratischen Sozialismus, Frieden und freie Liebe ein. Doch es gab noch vieles mehr: In dieser spannenden Zeit belebte das englische Supermodel Twiggy den Minirock, und in den USA wurde die erste Computermaus präsentiert. Die Musikszene erlebte eine Revolution. Der Sound der späten 60er Jahre war geprägt vom Woodstock-Festival („3 Days of Love, Music & Peace“), Janis Joplin und Jimi Hendrix. Die Beatles veröffentlichten auf dem Höhepunkt ihres musikalischen Schaffens das legendäre „White Album“, die Rolling Stones legten mit der höflichen Einladung zum Bettlerbankett „Beggars Bunquet“ nach. Bands wie Led Zeppelin, Pink Floyd, The Kinks oder The Who starteten ihren Siegeszug um die Welt. Zahlreiche neue Musikgruppen gründeten sich, darunter eine Formation aus Schottland, die mit ihrem Hit „Time Machine“ ebenfalls Musikgeschichte schreiben sollte. Frontmann war damals ein gewisser Martin Griffiths, der nunmehr seit fast 20 Jahren mit seiner deutschen Frau Jutta in der Metropolregion Rhein-Neckar lebt und seit zehn Jahren als sachkundiger Schlossführer in Schwetzingen, Mannheim und Heidelberg unterwegs ist. Dort bringt er den Besuchern in englischer und deutscher Sprache auf sympathische Art Geschichte näher.
Griffiths, der am 8. Oktober 1949 im nordenglischen Newcastle geboren wurde, hat eine Vergangenheit als Künstler, die staunen lässt: Vor 50 Jahren war er Frontmann der damals sehr bekannten Progressive-Rock-Formation „Beggars Opera“. „Mein Vater arbeitete damals im nahen Schottland, und ich ging in Glasgow zur Schule“, erzählt Griffiths. Mit 17 gründete er seine erste Band namens „System“ – und spielte Songs im Stil der Stones und Beatles. 1969 war die Zeit reif für „Beggars Opera“. Der Bandname bezog sich auf das satirische Singspiel „The Beggar’s Opera“ von John Gay. Zusammen mit vier schottischen Schulfreunden legte Griffiths im Stile der großen Vorbilder Led Zeppelin, Jethro Tull, Deep Purple oder The Nice gleich los wie die Feuerwehr. Die Band veröffentlichte zwischen 1970 und 1973 die drei gefeierten Alben – „Act One“, „Waters Of Change“ und „Pathfinder“ – und schrieb mit ihrer klassisch beeinflussten Musik ein Kapitel Rockgeschichte. „Wir hatten das große Glück, in dieser Zeit zu leben“, sagt Griffiths. Wer heute das beste Album – „Pathfinder“ – hört, kann kaum glauben, dass dieser geniale, zeitlose Musikstreich vor 50 Jahren entstand. Größter Erfolg des Fünfers war zweifellos der von Griffiths mitkomponierte und getextete, achtminütige Song „Time Machine“, der in ganz Europa große Beachtung fand und auch heute noch im Radio gespielt wird. „Dieses Stück über die Zeitreise entsprach stark dem damaligen Lebensgefühl junger Menschen“, so Griffiths. Nach dem dritten Album, das neben zarten, melodischen und verträumten Klängen auch rockige Grooves enthielt, verließ Griffiths 1974 die Band, die sich zunächst auflöste und ein Jahr später neu formierte. „Danach habe ich Teebeutel verkauft, Cabaret gemacht und mit Fliege und im Anzug Swing gesungen – auch Songs von Frank Sinatra“, erzählt der „deutsche Engländer“ und lacht. Mit zwei Gitarren und einem Koffer zieht es ihn 1973 nach Deutschland. Er verliebt sich im Allgäu in Land, Berge und Leute und erfährt, dass die Gruppe „Can“ auf der Suche nach einem Sänger ist. „Interessant, aber letztlich zu experimentell“, meint er im Rückblick. Mitte der 70er Jahre ist er „in Sachen Krautrock“ im Süden Deutschlands unterwegs und lernt die Band „Kin Ping Meh“ und Freunde in Mannheim kennen. Mit Ralph Siegel nimmt er im Zeitalter des gerade einsetzenden Disco-Booms drei Singles auf, darunter Desmond Dekkers „Israelites“ und Otis Reddings „Sittin On A Dock Of The Bay“. „Der würde sich im Grab umdrehen, wenn er das hören müsste“, sagt Griffiths und grinst. Heute tritt er mit seinem Sohn Philipp, Dozent an der Universität Mannheim, und dessen Band mit dem ironischen Namen „Poor Genetic Material“ auf – und hat natürlich auch eine neue Version von „Time Machine“ im Gepäck. Eine Reunion mit „Beggars Opera“ wird es allerdings nicht geben. „Die Jungs sind in alle Welt verstreut, einer lebt sogar in Australien“, berichtet der leidenschaftliche und immer neugierige Mann, der sich in der Region pudelwohl fühlt und inzwischen länger in Deutschland als in England (O-Ton: „Der Brexit ist eine Katastrophe.“) Zuhause ist. „Mein Leben besteht aus Musik und Kunst“, gibt Griffiths zu Protokoll. „Ich liebe auch Mozart.“ In seiner Freizeit malt er Ölbilder, interessiert sich für Geschichte, unterrichtet gelegentlich Englisch an der Volkshochschule und macht, „was ich kann und immer schon machen wollte“.
Vor zehn Jahren hat er seine Begeisterung für die Schlösser der Region entdeckt. „Dann habe ich mich intensiv mit der geschichtlichen Entwicklung befasst und bekam schon bald eine Anstellung als Schlossführer.“ Neben Schwetzingen und Mannheim ist er auch im Heidelberger Schloss unterwegs und stieß dort „natürlich“ auf die Liebesgeschichte zwischen Kurfürst Friedrich von der Pfalz und Elisabeth Stuart, Tochter des englischen Königs James. „Diese Story nahm mich sofort gefangen, denn es kam ja auch meine Heimat ins Spiel“, betont Griffiths mit leuchteten Augen. So entstanden erste Lieder für das Musical „The Wedding“, das inzwischen mit großem Erfolg in der Neckarstadt aufgeführt wurde. „Ich arbeite bereits an einem neuen Musical mit Orchester und Chor, das im nächsten Jahr in der Region zur Aufführung kommt“, sagt der Mann, der täglich singt und komponiert, „um fit zu bleiben“. Das Jahr 2019 ist schließlich ein ganz besonderes, denn es steht ein dreifacher Geburtstag ins Haus: 50 Jahre „Beggars Opera“, zehn Jahre Schlossführer und 70 Jahre Martin Griffiths!

Martin Griffiths


D  Metropolregion Rhein-Neckar

Quelle Text : https://www.rheinpfalz.de/lokal/speyer_artikel,-ein-geschichtenerz%C3%A4hler-auf-zeitreise-_arid,1440533.html
Quelle Bild :


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