Titel der Sendung :  23. BLUES-SCHMUS-APFELMUS
Live aus Laubach/Oberhessen
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CD Archiv - Fake No More, La Cherga
Fake No More
La Cherga
 
erschienen : 26.09.2008
im Archiv angelegt : 22.10.2008
 
  
 
Der Zusammenbruch des ehemaligen Jugoslawiens hat wenig Positives, aber viel Leid und Tragik mit sich gebracht. Von nationalistischer Gewalt zerrüttet, zerfiel der Vielvölker-Staat in den Neunzigerjahren nach mehreren Kriegen in immer mehr provinzielle Kleinstaaten. Gerade die weltoffensten und kreativsten Geister flohen ins Ausland. So wie die Musiker der Band La Cherga, die sich im steirischen Graz, einer Universitätsstadt mit historischem Altstadtkern, über den Weg liefen.
Benannt haben die Musiker, die aus allen Ecken des ehemaligen Jugoslawiens stammen, ihr Projekt nach einem traditionellen Flickenteppich, der auf dem Balkan verbreitet ist und im deutschen Fachjargon mal Cherga, mal Tscherga oder Cerga geschrieben wird. Das Bild vom buntgescheckten Teppichmuster passt zu ihren Tracks, in denen sich Balkan-Brass, osteuropäischen Weisen und jamaikanisch inspirierten Club-Beats auf gekonnte Weise zu ganz neuen Motiven verwebt zeigen. Dass das gut zusammen gehen kann, haben vor La Cherga schon andere bewiesen - die Elektro-Klezmerband Oi Va Voi etwa, die Brooklyn Funk Essentials oder Balkan-Djs wie Shantel und DJ Click. Das La Cherga-Kollektiv aus Graz schreibt dieses hybride Genre nun fort, und beweist dabei doch eine ganz eigene Handschrift. Mal trifft der Klang einer Maultrommel, zum hypnotischen Loop verarbeitet, auf einen unwiderstehlichen Bass-Groove und eine suggestive Akkordeon-Melodie (-Cooking Dub-), mal verzieren Klarinette, Bläser und Drehleier-Sounds einen treibenden Dub-Beat mit traditionellen Balkan-Motiven (im Titelsong -Fake No More-), mal mischt sich der Sound einer Balkan-Hochzeit mit Ragga- und Drum´n´Bass-Breaks (-Ciganka-). Und über allem schwebt der Gesang von Irina Karamarkovic, die mit ihrem simplen Schulenglisch eine Aura von mädchenhafter Entrücktheit und Coolness verströmt. Die Sängerin stammt aus dem Kosovo, der DJ und Elektro-Tüftler Nevenko Bucan aus Kroatien. Die übrigen Mitglieder der Band -- Gitarrist Muamer Gazibegovic, Bassist Nino Skiljic, Trompeter Trajce Velkov und Saxofonist Kiril Kuzmanov - hat es aus Bosnien und Mazedonien nach Österreich verschlagen. Die meisten von ihnen engagieren sich nebenbei auch noch in anderen kulturellen Austauschprojekten, betrachten die Entwicklung in ihren Heimatländern mit Skepsis und teilen doch eine gewisse -post-pessimistische Philosophie-, wie Irina Karamarkovic es fomuliert. Mit anderen Worten: Sie lassen sich nicht unterkriegen.



Von -Elektro-Roots-Musik für das 21.Jahrhundert- sprechen sie, wenn sie ihren Stil beschreiben sollen. Diemeisten Stücke auf ihrem Debütalbum -Fake No More- drängt es jedenfalls mit Nachdruck auf die Tanzfläche. So etwa -Don´t Go This Way-, das mit seinem hüpfigen Ska-Beat bald eine feste Größe auf allen Balkan-Parties dieser Welt sein dürfte. Die Chill-Out-Nummer -Lajka- dagegen verströmt eher eine folkige, analog knisternde Lagerfeuer-Atmosphäre, und -Muki´s Pub- kleidet eine romantische Roma-Ballade in einen geschmeidigen Elektro-Groove. Auf ihrer persönlichen Myspace-Seite im Internet geben die Musiker von La Cherga einen Hinweis auf ihre prägenden Einflüsse, die sich grob in drei Kategorien einordnen lassen: einerseits sind das die Kings & Queens der Gipsy-Musik vom Balkan wie Saban Bajramovic, Esma Redzepova und Ferus Mustafov, andererseits innovative Grenzgänger zwischen Dub-Reggae, elektronischen Club-Beats und globalen Klängen wie Adrian Sherwood, Massive Attack und Transglobal Underground. Und, drittens, die Klassiker aus Punk und Pop wie die Sex Pistols, The Clash und Mano Negra. Darüber hinaus zeigen sie sich auch noch von italienischer Filmmusik, griechischer Folklore und Drum´n´Bass inspiriert. Vielfältig sind ihre Einflüsse, auf jeden Fall. So kosmopolitisch könnte, ja müsste die Musik aus dem ehemaligen Jugoslawien heute klingen, wenn es über die Grenzen der Teilrepubliken hinweg noch einen regen kulturellen Austausch gäbe.

Daniel Bax

Quelle: Amazon
 
Label : Asphalt Tango Records (Indigo)

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